Ausspannen im Bekanntenkreis

Das Ausspannen von Partnern ist längst kein Tabu mehr: Männer wie Frauen gehen gerne im Bekanntenkreis fremd – und das meistens mehrmals. Fast jede sechste Beziehung entsteht inzwischen auf Kosten einer anderen. Manche Singles haben die Kunst des Ausspannens perfektioniert.

Das Ausspannen von Partnern ist kein Tabu mehr

Das Ausspannen von Partnern ist kein Tabu mehr

In Europa wird gerne gewildert – und zwar in fremden Beziehungen. Den internationalen Vergleich stellt eine Studie mit knapp 17.000 Teilnehmern aus 53 Ländern an. Der Versuch, „jemanden romantisch für sich zu gewinnen, der bereits in einer Beziehung steckt“ – umgangssprachlich schlicht jemanden auszuspannen –, lässt sich überall auf der Welt beobachten: mal behutsam, mal dreist. Dazu gehören besondere Persönlichkeitsmuster, sagen die Forscher: sowohl beim Wilderer – der es immer wieder versuchen wird – als auch beim Begehrten, der sich bereitwillig aus festen Schnüren lösen lässt.

Langfristig einen Partner für sich zu gewinnen, der bereits in einer festen Beziehung steckte – das ist in Europa stärker verbreitet als in Asien. Im westeuropäischen Raum haben es 56 Prozent der befragten Männer probiert und 46 Prozent der Frauen. Und zwar mindestens einmal. Zum Vergleich: In Südostasien wurden Werte von 39 Prozent bei den Männern und 17 Prozent für Frauen infolge der Befragungen ausgerechnet.

Erstaunlich: Über zwei Drittel derjenigen, die angaben, sich an der Wilderei schon einmal versucht zu haben, waren auch erfolgreich. Woher die hohe Trefferquote? Den Grund vermuten die Forscher in bestimmten Persönlichkeitsprofilen, nicht nur der „Täter“, sondern auch der „Opfer“.

Die typischen Charaktermerkmale der „Wilderer“: Sie haben ein geringes Verantwortungsgefühl, sind oft untreu und eher unverträglich im sozialen Sinne, genießen außerdem Sexualität. Genau die gleichen Eigenschaften haben Menschen, die sich leicht ausspannen lassen.

Darüber hinaus beschreiben sich diese selbst häufig als neurotisch und wenig liebevoll. Ein kleiner Trost für die von ihnen Verlassenen, bei denen sich traumaähnliche Symptome ausbilden können. Extrovertierte, offene und äußerlich attraktive Menschen sind im Allgemeinen stärker begehrt, ihnen fällt es leichter, jemanden auszuspannen, und sie erhalten öfter Angebote als andere.

Bei einem Ausspannversuch wird empfohlen, nicht über das Ziel hinauszuschießen. Groß angelegte Offensiven in diesem Bereich sind nicht nur in den meisten Gesellschaften verpönt, sondern sie erregen auch den Zorn des Partners und fordern Gegenwehr heraus. Der Studien-Statistik zufolge besteht die beste Taktik darin, den aktuellen Partner subtil schlechtzumachen und sich langsam und vorsichtig im sozialen Umfeld des Objekts der Begierde einzuschleichen.

Frauen sind dabei besonders erfolgreich, wenn sie ihr Aussehen verbessern und dem Selbstwertgefühl des begehrten Mannes schmeicheln. Männer erzielen einen guten Effekt, wenn sie einer Frau das Gefühl geben, der derzeitige Partner engagiere sich nicht genug für die Beziehung. Dabei sollten sie dominanter als dieser auftreten, ein höherer beruflicher und finanzieller Status kann ebenfalls von Nutzen sein. Die aktuelle Zufriedenheit der Befragten mit ihren jeweiligen Beziehungen wurde nicht in die Studie mit einbezogen.

Frauen und Männer, die mit ihrem Sexualleben oder anderen Teilen der Partnerschaft unzufrieden sind, orientieren sich möglicherweise aus dieser heraus neu, anstatt sie zu beenden. Sie lassen sich aktiv ausspannen, um passiv die bestehende Bindung zu lösen.

Wer schlecht über seine Beziehung redet, ermuntert Wilderer, sich einzumischen. Aber wie beständig sind diese Beziehungen, die durch Einmischung entstanden sind?
Die Perspektive ist vor allem dann eher ernüchternd, wenn die Veranlagung zum Ausspannen fest bei einer (oder gar bei Beiden) neuen Partnern vorhanden ist. Dann stehen einer zukünftig erneuten, wiederum „Dritten“ Bekanntschaft, Tür und Tor offen für die nächste „Ausspann-Attacke“ von aussen her.

Warum neigen wir zur Untreue?

Bekannte Klischees:
Während Frauen tendenziell eher treu sind, sehnen sich Männer triebgesteuert nach mehreren Partnerinnen.
Aber die Wirklichkeit ist komplizierter:
Wir sind unabhängig vom Geschlecht von Natur aus promisk, behaupten Biologen und Sexualforscher.
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Zwischen den beiden klaren Positionen – auf der einen Seite lebenslange Keuschheit auf der anderen Seite schrankenloses Fremdgehen – existiert offenbar ein weit gefächertes Mittelfeld, das durch Lüge, Ideologie und Verdrängen eingenebelt ist. Alles in allem, so folgern die meisten Sexualforscher, ist aktiver Mehrverkehr in Deutschland wohl eher die Sache einer Minderheit. Generell haben die meisten Deutschen wohl weniger Sexualpartner als allgemein vermutet – die Mehrheit womöglich nur deren drei oder vier im ganzen Leben.
Enthaltsamkeit oder Treue liegt aber den meisten Menschen nicht. Unsere Gene und Hormone einfach zu übermächtig. Mit unseren Vettern, den lebhaft promisken Schimpansen, haben wir ca. 98% aller Erbinformationen gemeinsam. Wie sollten wir, mit lediglich 2% Eigenkapital, ein völlig anderes braves Sexualleben führen?
Der Urmensch im Mann sehnt sich nach vielen Partnerinnen. Er möchte seine Gene möglichst zahlreichen Empfängerinnen weitergeben. Mann und Frau gehen ihr Beuteschema unterschiedlich an: Mann sucht Masse – Frau dagegen Klasse. Die Evolutionsbiologen behaupten, dass sich das „Urtier“ im Manne dabei unbewusst nach äußeren Merkmalen richtet, die Gebärfähigkeit signalisieren. Es sind Attribute, die vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen herstammen: volles Haar, Jungmädchenbusen, glatte Haut und Pfirsichpopo. Östrogen steuert den Fortpflanzungszyklus und den sexuellen Appetit. Frauen bevorzugen Männer mit markantem Kinn, was wiederum das Ergebnis eines hohen Blutspiegels an Testosteron sein soll. Dieses männliche Geschlechtshormon steuert die Libido und Potenz, ein wenig auch den sozialen Erfolg und auf jeden Fall aggressives Verhalten.
Als Maßstab der Promiskuität gilt für gewöhnlich die Anzahl Sexualpartner, die ein Mensch pro Jahr hat. Einige Autoren halten erwachsene Frauen für promisk, die jährlich drei Partner lieben. Homosexuelle Experten hingegen klassifizieren durchaus 40 Partner für homosexuelle Männer, auch innerhalb eines Jahres, noch nicht als „Mehrverkehr“. Gibt es also überhaupt eine objektive Messlatte für Promiskuität?
Anfang der 90er Jahre untersuchten Psychologen das Sexualverhalten von  ca. 500 Studentinnen und Studenten. Sie legten den Kandidaten 16 Fragen vor. Es ging um Partnerschaft, sexuelles Erleben und Verhalten, sexuelle Orientierung um HIV. Wenn die Probandinnen zum Punkt „Anzahl der Koituspartner in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung“ kamen, gerieten viele ins Grübeln.
Die Forscher beobachteten, dass die Studentinnen an den Fingern einer Hand die Partner zusammenzählten. 33 Prozent der Frauen brachten es auf zwei bis drei Liebhaber pro Jahr, sieben Prozent auf vier bis fünf und jede Hundertste auf sechs und mehr.
„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht“: Diese Erkenntnis sollten sich Sexualwissenschaftler vielleicht zu ihrem Motto erheben.
Denn entgegen weitverbreiteten Annahmen ist das menschliche Sexualverhalten keineswegs zuverlässig erforscht. Die anonymen Geständnisse der Studenten haben einen gemeinsamen, generellen Mangel: Sexualwissenschaftliche Erkenntnisse beruhen vor allem auf Mitteilungen von Befragten – wie viel dabei gelogen und unter- oder übertrieben wird – lässt sich nur vermuten.
Auf wie viele Partner bringt es eine ledige Studentin? Gehen 10, 40 oder 80 Prozent der verheirateten Männer einmal im Jahr fremd? Liegt der Zeitpunkt des ersten Koitus bei Jugendlichen immer früher oder vielleicht doch später? Wie groß ist der Prozentsatz der Promisken? Und wer darf sich überhaupt so bezeichnen?
„Frauen und Männer haben sowohl langfristige als auch kurzfristige Paarungsstrategien“, stellte ein Evolutionsbiologe fest. „Wie häufig und in welcher Reihenfolge sie diese anwenden, hängt von ihren Werten, ihrem Alter und sozialen Bedingungen ab.“ Er meint: „Wir sind von Natur aus promisk – Männer wie Frauen.“
In einer andern Studie wurde der Frage nachgegangen, welche Eigenschaften eine Person aufweist, die sich einem Lebenswandel mit ständig wechselnden Sexualpartnern hingibt. Dazu wurden über 13.000 Menschen aus 46 Nationen befragt.
Die „Grossen Fünf“ werden die entscheidenden Faktoren genannt, die den Hang zur Promiskuität bestimmen: minimales Pflichtgefühl, große Extrovertiertheit, ein geringer Hang zur Verträglichkeit, wie Kompromissbereitschaft und Hilfsbereitschaft. Zudem fanden die Forscher, dass Neugier und Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen und Neurotizismus eine wichtige Rolle spielen.
Neurotische Männer leben eher monogam, wogegen neurotische Frauen eher zu vielfältigeren Beziehungen neigen. Eines aber teilen selbst die labilsten Beziehungswechsler: letztlich doch eine tiefe aber eben auch trügerische Sehnsucht nach eine soliden dauerhaften Beziehung. In einer weiteren großen Studie wünschen sich 83 Prozent der 30-Jährigen für ihr ganzes Leben nur einen einzigen festen Partner.

Ist Sex für Frauen ein Tauschhandel?

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Männer kennen sie: Frauen, die sein Bett teilen damit er den Briefkasten leert, das Auto fahrtüchtig hält, Schnee schaufelt oder sie zu öden Verwandtengeburtstagen begleitet. Ist Sex für Frauen so etwas wie ein Geschäft? Evolutionspsychologen bestätigen dies im Prinzip, sie haben viele Gründe gefunden, warum Frauen Sex haben.

Männer kennen sie: Frauen, die irgendwie eigenartig waren in der Liebe. Männer nehmen allgemein an, dass ihre Partnerinnen sich ihnen hingeben weil sie damit ihre Zuneigung auszudrücken wollen. In unseren Breitengraden gilt kleiderfreier Körpereinsatz als klarer Liebesbeweis. Aber was steckt bei Frauen wirklich dahinter? Sex als strategische Verführungskunst? Sex als Mittel zum Zweck, um etwas zu erreichen?

 

Befragungen von über tausend Frauen durch Psychologen förderten erstaunliche Ergebnisse zutage. Aus ihren Antworten ergaben sich sehr viele Gründe, warum Frauen sich auf Sex einlassen

Die Liebe steht jedenfalls nicht an erster Stelle. Frauen hatten eher Sex mit Männern, weil sie an einem Abenteuer interessiert waren um nach gescheiterten Partnerschaften ihre Enttäuschung zu überwinden, oder weil sie einsam waren oder ihr Alleinsein sie langweilte. Andere wiederum wollten ihre Chancen bei Männern testen oder setzten auf einen Tauschgeschäft. Andere genannte Gründe waren zum Beispiel auch: willkürliche Sympathieanfälle, Mitleidsgefühle, Rache am Partner der fremd ging. Auch Bereiche wie Esoterik und Selbstlosigkeit im Sinne von Nächstenliebe werden bedient.

Und wie steht es denn nun damit, ob Frauen auch Sex aus Liebe haben? Die Forscher wollen sich nicht darauf einlassen. Ihre nüchterne Begründung dazu: Frauen erobern einen Mann, der ungefähr ihrem Ideal entspricht. Sie wollen bei ihm bleiben, wenn ihre Freundinnen als mögliche Konkurrentinnen bei seinem Anblick leuchtende Augen bekommen, ein Qualitätsnachweis und gleichzeitig auch Eröffnung des Wettbewerbs. Aber wehe, wenn der Mann nicht hält was er zu versprechen schien. In dem Fall wird er ziemlich schnell fallengelassen und durch einen vorzeigbaren neuen Macker ausgewechselt. In allen Fällen spielt Sex die entscheidende Rolle, romantische Liebesbekenntnisse sind nur Mittel zum Zweck.

Weibliche Sexualität gilt den Forschern als Kapital, das sich den Umständen entsprechend einsetzen lässt, um etwas zu erlangen. Ein veritabler Tauschhandel also. Von wegen Liebe und Leidenschaft, die seit Jahrhunderten in der Literatur beschwärmt wird! Das erfinden unrealistische, von weiblicher Cleverness getäuschte, treunaive Dichter in ihrer verklärt-romantischen illusionären Scheinwelt.

Evolutionsexperten erklären, dass unsere Wesenszüge auch heutzutage als nüchterne Anpassungen an Überlebensnotwendigkeiten der letzten Jahrmillionen intakt sind. Die klinische Psychologie weiss überdies, dass heutige Verhaltensweisen im Liebesspiel eingeprägte Handlungsmuster aus grauer Vorzeit wiedergeben. Sex und Steinzeit gehören zusammen. Es geht immer ums Weiterkommen und Überleben. Wer hätte das im Zusammenhang mit unserer Lust gedacht? Wir glauben, pure sexuelle Freuden im komfortabel ausgestatteten Liebesnest auszuleben. Dabei geht es auch zwischen Seidenlaken zu wie in der düsteren Höhle, in der nach dem Büffeljagen und Pilzesammeln der Mann das Weib zum schnellen Vergnügen bekommt. Weil das Weib weiß, dass er danach freudig motiviert die Jagdbeute zerlegt, während sie am Lagerfeuer das Mahl für die Sippe zubereitet.

Die befragten Frauen erklären sehr präzise, warum sie mit Männern ins Bett gehen. Jene ab Mitte dreißig sagen z.B.: „Man sieht danach wesentlich jünger aus, haben Untersuchungen ergeben.“ Bei Jüngeren geht es eher um den Leistungsbeweis im erotischen Spiel: „War ich nicht deutlich besser als deine Ex?“ Manchmal geht es auch nur um’s „Trophäen“ sammeln und weglegen. Andere wiederum denken ganz praktisch realistisch: „Wenn du mir morgen beim Grosseinkauf hilfst…“

In gross angelegten Tests wurden Frauen die Fotographien diverser Männertypen vorgelegt, damit sie ihr Attraktivitätsurteil fällen. Ist das Gesicht ebenmässig? Das Kinn kantig? Der Blick männlich? Auf der ganzen Welt in allen ethnischen Gruppen spielt das für Frauen die zentrale Rolle. Allerdings finden sie vor allem um die fruchtbaren Tage herum ausgeprägt männliche Züge besonders anziehend. Da ist jeder kantige Macho im Vorteil. Baut sich unter seinem breiten Kinn auch nur die Andeutung eines keilförmigen Oberkörpers auf, wird das als ein Beleg für gute Gene wahrgenommen. Der weibliche Zyklus treibt viele Frauen zum Fremdgehen. Die weltweite Quote der Kuckuckskinder wird auf zwölf Prozent geschätzt.

Aber in den Wochen nach der Menstruation mögen Frauen andere Typen. Sehr verwirrend für Manner, können die Frauen sich nicht mal festlegen? Es sind die Hormone, die dann das Verlangen nach einem sanften Mann mit weichen Gesichtszügen hervorrufen, einer mit treuem Hundeblick und einem Mund, der sich nicht für freche Sprüche öffnet, sondern zur Poesie. Muss „Mann“ die Frauen bedauern für ihr monatlich wiederkehrendes Wechselbad der Gefühle? Wenn sie sich während ihres Eisprungs jedes Mal in sexy Kleider und unbequeme Schuhe zwängen, die den erotischen Gang ermöglichen, auf den sie in der sonstigen Zeit gerne verzichten, weil er ja eigentlich unbequem oder sogar schmerzhaft ist. Sie können nicht anders. Der zynisch grinsende Gegner der zivilisierten Liebe ist die natürliche Triebhaftigkeit. Sie versklavt und steuert die Frauen, ohne dass sich diese dagegen wehren können.

Männer kennen sie, die Frauen welche sein Bett teilen damit er den Briefkasten leert, das Auto fahrtüchtig hält, Schnee schaufelt oder sie zu langweiligen Verwandten begleitet. Die Sex mit ihm haben, weil sexuelle Aktivität zwischen Mann und Frau eine gut funktionierende Konfliktbewältigung ist und der Schlaf danach wirklich tiefer ist. Was wir für wahrhaftige innige Zuneigung hielten ist bloss eine rosafarbene süsse Illusion. Sex und danach besser schlafen ist in Wahrheit das, was Frauen befriedigt.

Monogamie ein Auslaufmodell?

polyamory

Menschen vernetzen sich in der Liebe. Paare tun sich zu „Quartetten“ zusammen. Menschen leben emotionale und sexuelle Beziehungen ohne dauerhafte Bindungen.

Rebekka, Benjamin und Leonie experimentieren gern. Sie leben in einer Dreierbeziehung mit offenen Grenzen nach innen und außen. Sie fühlen sich frei, weil sie sich befreit haben. Von den Fesseln der Konvention, den Erwartungen der anderen, den Grenzen des eigenen Geschlechts. Sie praktizieren eine esoterische Form der freien Liebe, das Tantra, leben in einer Wohngemeinschaft, und alle drei bekennen sich zu ihrer Bisexualität. Erotik ist das beherrschende Element ihres Lebens, aber sie ist eingehegt in ein Netzwerk des kommunikativen Austauschs, der gegenseitigen Achtung und Fürsorge.
Seitensprünge und Heimlichtuereien sind den „Polys“, so nennen sich die Anhänger der aus den USA kommenden „Polyamory“-Bewegung, ein Gräuel. Ebenso die Eifersucht, die ihnen als Relikt einer überwundenen Sexualmoral gilt, als zerstörerisches Besitzdenken der „Monogamisten“.

Ihr setzen sie den polyamorösen Begriff der „Mitfreude“ entgegen. Der andere Mann oder die andere Frau werden nicht mehr als Konkurrenz, sondern als Bereicherung empfunden. Benjamin, der als Beamter so gar nicht ins Schema dieser sexuellen Freizügigkeit zu passen scheint, hat gelernt, sich über die erotischen Eskapaden von Rebekka zu freuen: „Mir wurde bewusst, dass ich ihr das gönnen konnte. Das hat eine Weile gebraucht, aber dann habe ich gemerkt, das ist ein Geschenk, wenn da ein Mann ist, der sie will, und das hat mich innerlich befreit. Und ich konnte mir auch meine Lust auf andere Frauen zugestehen.“ Ist dies wirklich ein problemloses Freigeben des geliebten Menschen? Oder nicht doch eine von sexuellen Reizungen überlagerte, anthroposophisch aufgeladene Zwangsgleichgültigkeit, die in solcher Libertinage zum Ausdruck kommt?
Die wachsende Anhängerschaft der Polyamory (Vielliebe) verweist gern auf die sozialen Kosten der Monogamie, wie Gewalt in der Ehe, Seitensprünge, desaströse Scheidungen, beschädigte Kinderseelen. Monogamie ist für sie das Urübel der westlichen Zivilisation. In der freien Liebes- und Lebensgemeinschaft soll es keinen Betrug, kein Fremdgehen mehr geben, denn Ehrlichkeit, Respekt und Treue (im Sinne verbindlichen Einhaltens von Absprachen) gelten als die Kardinaltugenden der Bewegung. An die Stelle von „Mangel und Konkurrenz“ sollen „Fülle und gegenseitiges Verbündet-Sein“ treten.

 

Doch noch immer ist es die viel geschmähte Eifersucht, die den freien Liebesgemeinschaften am härtesten zusetzt. Um sie drehen sich die selbsttherapeutischen Gespräche, die oft in endlose Debatten ausarten, in die sämtliche Liebesnetzwerker eingebunden werden, ja werden müssen, um Irritationen und Abspaltungen zu vermeiden.
Nicht alle „Polys“ kommentieren so locker die Sexerfahrungen ihrer Partner wie Benjamin, der sich seine Seelenruhe mit transzendentaler Meditation erarbeitet hat. Dazu braucht es Menschen, die ganz in kollektiven Selbstfindungsprozessen aufgehen, Spaß haben am Erarbeiten von Partnerschaftsverträgen und sexuellen Absprachen, ohne die das manchmal mehr als ein Dutzend Sexualpartner umfassende Beziehungswirrwarr in Chaos auseinanderfallen würde.

Eifersucht dürfe keineswegs geleugnet, sondern müsse bewusst angenommen und in ein positives Gefühl transformiert werden, meint ein Experte für polyamoröse Beziehungen. Eifersucht sei eine Chance, sich mit seinen Urängsten zu konfrontieren und ein stärkerer, gelassener Mensch zu werden, erklärt er das idealistische Konzept. Statt Neid auf die Unbekannte, die Leonie von einer Sadomaso-Party mit nach Hause bringt, doch lieber Spaß am gemeinsamen Sex, wie die 47-jährige Erzieherin es ausdrückt? „Wie fühlt sich das an, wenn ich eine Frau im Arm habe, und er vögelt diese Frau? Total schön, irre! Aber man muss erst einmal mit sich im Reinen sein.“ Die enge Dreierbeziehung mit Rebekka und Benjamin könne es durchaus verkraften, so Leonie, wenn sie einen weiteren festen Freund oder wechselnde Sexualpartner in sie einbringe: „Ich möchte mit Benjamin eine Verbundenheit spüren, aber nicht an ihn allein gebunden sein.“
Sogenannte Schlafpläne, ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip und fest vereinbarte Vetorechte sollen die konfliktträchtigen Mehrfachbeziehungen entschärfen. Dennoch wird die andauernde Bearbeitung der Gefühle, der Zwang zur Dauerkommunikation als belastend empfunden, mündet nicht selten in den Terror der Intimität, der schließlich doch zu Heimlichkeiten führt und Fluchtreflexe auslöst. Es gehört zur Ironie solcher Avantgardismen, dass in ihnen längst überwunden geglaubte quasireligiöse Bewältigungsmuster wiederkehren, eine Art kollektiver pietistischer Seelenschau.

Soziologen weisen darauf hin, dass moderne Partnerschaften sich nicht mehr durch Abhängigkeiten oder Kinder definieren, sondern zu „reinen Beziehungen“ geworden sind, die nur durch andauernde Bewährung, andauernde Intimität und innere Lebendigkeit bestehen könnten. Das setze ein permanentes Krisenbewusstsein voraus, um Enttäuschungen und Trennungen zu verhindern. Soziologen bescheinigen der modernen Partnerschaft, dass sie mehr denn je von Misstrauen und Furcht vor (Liebesvor-)Täuschung bestimmt sei. Je autonomer die individuelle Persönlichkeit würde, desto heftiger wachse das Bedürfnis nach Liebe. Ein Bedürfnis, das offenbar nicht nur als heftig, sondern auch in seiner Üppigkeit empfunden sein will. In einer monogamen Beziehung können diese Triebe offenbar nicht vollständig befriedigt werden. Die Emanzipation aus der traditionellen, heteronomen Ehe, in der Zuneigung oft von Kindern absorbiert und damit in ihrem Anspruch gedämpft sei, führe zwangsläufig zu einer Aufschaukelung der gegenseitigen Ansprüche – und am Ende zu deren Ausweitung ins Gruppen-Kollektiv oder zur Zuflucht in die Psychotherapie. In der polyamorösen Beziehung fällt nun beides zur Palaverrunde der Dauererregten zusammen.
Ganz neu ist das polyamoröse Prinzip nicht, wenn man an die 68er Bewegung denkt. Damals war die sexuelle Befreiung eine Vorstufe für die endgültige Befreiung von der kapitalistischen Gesellschaft.

Verwandte werden als sexuell attraktiver empfunden!

Die Tabuisierung des Inzest scheint keine biologischen Gründe zu haben. Verwandte wirken anziehender als Fremde Menschen. In fast allen Kulturkreisen existiert das Inzest-Tabu. Zwischen engen Verwandten sind sexuelle Beziehungen gesellschaftlich verpönt und gesetzlich verboten. Eine Verletzung dieser Regeln zieht meist rechtliche und auch soziale Bestrafung nach sich. Viele Evolutionsforscher und Psychologen gingen bisher davon aus, dass es einen biologischen Grund für das Inzest-Tabu gibt – ein unbewusster Automatismus, mit dem Menschen die genetische Verwandtschaft eines Mitmenschen einschätzen können. Wenn zum Beispiel zwei Menschen in örtlicher Nähe aufwachsen und viele gemeinsame Kindheitserfahrungen teilen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Verwandtschaft groß. Dies führt unbewusst dazu, dass der andere als sexuell unattraktiv eingeschätzt wird. Im Widerspruch dazu stehen aber Erkenntnisse aus der Attraktivitätsforschung, welche zeigen, dass gerade wegen ähnlicher Herkunft, Lebensumstände und Aussehen andere Menschen als attraktiver empfunden werden. Psychologen ist es nun gelungen, dieses Paradoxon aufzuklären. Mit drei Studien konnte gezeigt werden, dass genetisch ähnliche Menschen sich tatsächlich als sexuell besonders attraktiv einschätzen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sie nicht wissen das eine genetische Verwandtschaft besteht.

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Wenn die Verwandtschaft bekannt ist, entsteht ein Umkehreffekt. Amerikanische Forscher fanden heraus, dass Fotos von Frauen und Männern als sexuell anziehender bewertet wurden, wenn vorher eine Fotografie der Mutter oder des Vaters des Studienteilnehmers kurz unterhalb der Bewusstseinsschwelle eingeblendet wurde. Dieser Effekt trat ebenfalls auf, wenn es sich bei den zu bewertenden Fotos um computergenerierte Bilder handelte, die aus leicht veränderten Elementen des eigenen Gesichts bestanden, also von jemandem mit genetischer Ähnlichkeit. Wenn die Teilnehmer aber von dieser Prozedur wussten, kehrte sich der Effekt sofort um. Die Gesichter wirkten nicht mehr sexuell anziehend auf die Testpersonen. Daraus folgern nun die Forscher, dass Verwandtschaft zu erhöhter sexueller Anziehung führt, beim Wissen darüber jedoch normalerweise sofort gehemmt wird. Eine veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass das in unserer Gesellschaft allgegenwärtige Inzest-Tabu eher eine bewusste gesellschaftliche Regulierung ist, um die sexuelle Anziehung zwischen genetisch Verwandten zu verhindern, als eine biologisch begründete Abneigung.

Warum manche Frauen und Männer sexuell sehr anziehend wirken.

Wie muss ein Mensch sein, damit er auf andere anziehend und sexy wirkt? Studien zeigten, dass Frauen und Männer bei der Partnerwahl von den sogenannten Ur-Instinkten gesteuert wird.

Wenn Männer am Computer ihre Traumfrauen gestalten, daddeln sie so lange herum, bis die Frauen wie Klone von Angelina Jolie, Charlize Theron oder Catherine Zeta Jones aussehen. Wenn Frauen dasselbe tun, ist es etwas komplizierter und nicht so eindeutig.

Wenn Männer am Computer ihre Traumfrauen gestalten, daddeln sie so lange herum, bis die Frauen wie Klone von Angelina Jolie, Charlize Theron oder Catherine Zeta Jones aussehen.
Wenn Frauen dasselbe tun, ist es etwas komplizierter und nicht so eindeutig.

Ein bunter Vogel besticht durch seinen auffälligen Federschmuck und ist Teil einer ausgeklügelten Strategie der Natur: Er signalisiert durch Schönheit und Symmetrie seines bunten Gefieders Gesundheit, Fruchtbarkeit und Attraktivität. Darwin bezeichnete das als das Prinzip der Sexualauslese. Dieses genetische Programm ist auch heutzutage noch am wirken. Studien zeigen, dass der Mensch bei seiner Partnerwahl sehr stark von seiner evolutionären Programmierung bestimmt wird. Von seinen Ur-Instinkten beeinflusst, ist er stets auf der Suche nach dem möglichst attraktiven Partner mit den besten Gen-Eigenschaften. Männer lernten im Laufe der Evolution, instinktiv den biologischen Zustand einer Frau zu erkennen, zum Beispiel anhand der Relation von Hüfte zu Taille. Im optimalen Fall liegt die bei 1:0,7, wie etwa bei Angelina Jolie. Das ist unabhängig von Modetrends und körperlichen Idealen immer gleich geblieben. Die favorisierten Partner der Männer kennen die Frauen seit tausenden von Jahren: Ein ebenmässiges Gesicht mit weichen Zügen wir als „schön“ empfunden. Anziehend ist auch, was möglichst hohe Erfolgschancen bei der Zeugung von Kindern verspricht. – Was macht denn nun genau die Anziehungskraft eines Menschen auf das andere Geschlecht aus? – Wie wirkt sich das Hormon Östrogen bei der Partnersuche aus? – Wie kommt es, dass reiche Männer sehr junge Frauen bevorzugen?

Zeugungsfähigkeit und Jugendlichkeit bestimmt die Anziehungskraft von Frauen
Männer wollen am liebsten eine Frau auf dem Höhepunkt ihrer Fruchtbarkeit, was durchschnittlich ca. da Alter von 24 Jahren bedeutet. Evolutionsbiologen fanden bei Nachforschungen heraus, dass Männer weltweit Frauen den Vorzug geben, die im Schnitt dreieinhalb Jahre jünger sind als sie selbst. Es wird vermutet, dass auch dieser Umstand ein Erbe aus der Urzeit ist. Männer feierten damals etwa im Alter von 30 Jahren ihre größten Jagderfolge, während die Fruchtbarkeit der Frauen ab Mitte 20 kontinuierlich sank. Psychologen ließen tausende Gesichter an Computern generieren und darauf männliche Versuchspersonen diese bewerten, um dem Geheimnis der Empfindung von Schönheit auf die Spur zu kommen. Die Probanden bekamen die Aufgabe gestellt, ein Gesicht mit Hilfe einer Bildbearbeitungs-Software so lange zu verändern, bis es ihnen optimal gefiel. Dazu hatten sie zwei Steuerungs-Möglichkeiten: Sie konnten die Gesichtszüge der Frau entweder noch weiblicher (östrogengesteuert) oder männlicher (testosterongesteuert) machen. Das Ergebnis: Das Gesicht gefiel umso besser, je weiblicher es war: der Kiefer dezent, die Lippen voll, die Wangenknochen hoch, Nasen klein, die Augen groß und Augenbrauen dünn. Lässt man Männerfantasien am PC freien Lauf, hantieren sie so lange an der Östrogenschraube herum, bis die Frauen ein wie Klone von Angelina Jolie, Charlize Theron oder Catherine Zeta Jones aussehen. Evolutionsbiologen folgern daraus: Diese Geschlechtsmerkmale hängen mit der Ausschüttung des weiblichen Hormons Östrogen in der Pubertät zusammen.

Symmetrische Gesichter werden bevorzugt
Mit weiteren Tests fand man heraus, dass nicht persönlichkeitsgeprägte Gesichter bevorzugt wurden, sondern durchschnittliche ebenmässige. Symmetrisch ausgewogene Gesichter wurden denjenigen vorgezogen, die feine Unregelmäßigkeiten aufwiesen. Studien bestätigten, dass auffallend weibliche Frauen auch als aussergewöhnlich schön bewertet werden. Östrogene machen attraktiv. Vor diesem Hintergrund erscheint Schönheit nicht nur als eine oberflächliche modegesteuerte Empfindung, sondern als ein biologisches Signal. Schönheit ist ein Aushängeschild für Fruchtbarkeit. Und bei Männern? Die Gesichtszüge des Mannes werden durch Testosteron beeinflusst. Im Gegensatz zu den Östrogenen kurbelt es das Knochenwachstum an: Der Kiefer wird kantig, das Kinn ausgeprägt, die Augen klein, weil der Überaugenwulst größer wird. Die Brauen werden buschig, die Lippen schmal. Das derart maskulin geprägte Testosterongesicht müsste somit ein Garant für gute Gene sein.

Männer mit Mischgesichtern sind beliebter
Es gibt eine gute Nachricht für Männer mit weichen Gesichtszügen: Bei Tests ergab sich, dass Frauen Mischgesichter wie z.B. das von Brad Pitt lieber mögen als die ausgesprochen maskulinen wie z.B. das von Arnold Schwarzenegger. Psychologen vermuten, dass dabei ein unbewusstes Sicherheitsdenken eine Rolle spielt. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Männer mit einem hohen Testosteronspiegel öfter fremdgehen und schlechtere Väter sind als Männer mit feminineren Gesichtszügen. Allerdings verändert der Eisprung die Vorlieben der Frau: Wenn die Befruchtung am wahrscheinlichsten ist, bevorzugt sie die genetisch erfolgreichen Machoprototypen. Fazit: Testosterongeprägte Männer haben grössere Chancen, eine Seitensprungwillige Frau zu erobern.

Besser Leben mit mehr Partnern?

In den vereinigten Staaten entwickelt sich eine alternative Form von Polygamie, die Polyamorie. Dabei geht es nicht einfach um Sex, sondern vor allem um mehr Liebe.

„Loving-More“ nennt sich die Gesellschaft zur Beförderung der „Polyamorie“ in den USA. Die Begründerin von „Loving-More“ heisst Robyn Trask, eine etwas pummelige Frau mit Wuschelhaar. Sie ist Tantralehrerin und praktiziert schon seit 18 Jahren „Polyamorie“ – das heisst, sie liebt mehrere Männer gleichzeitig – zurzeit sind es drei. Sie ist Mutter und hat drei Kinder. Es geht ihr nicht etwa um die Auflösung der traditionellen Ehe, sondern um die gesellschaftliche Anerkennung der „polyamoren“ Lebensform. 15.000 Amerikaner seien in ihrer Organisation registriert. Sie schätzt, dass „ein Mehrfaches“ dieser Anzahl Menschen die Polyamorie praktiziert.
In Amerika existiert zwar kein Gesetz, das ihnen diese Lebensform verbietet, aber Leute, die nicht monogam leben, bekommen schnell Probleme mit gemeinschaftlichem Eigentum oder dem Sorgerecht für Kinder.
In Deutschland ist der Grund für Heirat oft, dass man möglicherweise beträchtlich Geld spart, das man ansonsten an den Staat abtreten müsste. In den USA ist das anders, erklärt ein Steuerberater in New York. Es ist widersprüchlich, dass in einem Land, das betont viel Wert auf die Familie legt, Verheiratete vom Steuerrecht sogar eher benachteiligt werden!

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Wenn polyamore Ehen gesetzlich anerkannt würden, müsste der Staat also nicht fürchten, dass er seinen Bürgern deshalb weniger Geld abfordern könnte. Die Anhänger der Polyamorie unterscheiden ihre Lebensweise klar von sogenannten Swingern, einer sexuellen Vergnügung, bei der Menschen miteinander ins Bett gehen ohne sich zu kennen. Bei der Polyamorie gehe es um ganzheitliche Liebe und nicht nur einfach um Sex. In einer Liste von „Rechten“ und „Pflichten“ in der Polyamorie ist dann auch viel von Verantwortung die Rede: „Wir haben die Verantwortung, zum Familienleben beizutragen“, heisst es da. „Wir haben die Verantwortung, die Verfassung zu respektieren“, und endlich auch: „Wir haben die Verantwortung, uns an Versprechen, Selbstverpflichtungen und Übereinkünfte zu halten.“
Und wie geht man mit der schwer kontrollierbaren Eifersucht um, wenn man Polyamor lebt? „Statt vor der Eifersucht davonzulaufen, neigen wir in unserer Bewegungt dazu, ihr (der Eifersucht) ins Gesicht zu sehen und herauszufinden, worum es ihr wirklich geht“, antwortete die Begründerin auf diese Frage in einem Radiointerview. „Geht es um die Beziehung? Geht es um Unsicherheit?“ Die Eifersucht sei wie jeder andere Schmerz. Sie sei im Grunde unbedeutend und nur ein Anzeichen dafür, dass etwas anderes nicht stimme. All dies klingt ziemlich idealistisch und ehrgeizig, aber funktioniert das auch in der Realität? Kann man Eifersucht einfach intellektuell mit Überzeugungen ausradieren?
Die Polyamorie ist der praktizierte Traum vom erotischen Eldorado. Aber nicht einmal Utopia ist ganz perfekt. Eine Befragung hat folgendes ergeben: Ein Problem der Vielliebenden scheint zu sein, dass auch ihre Zeit begrenzt ist. So gehört zu den Fertigkeiten, die bei Loving-More-Konferenzen gelehrt werden, das strikte Führen eines Kalenders.
Zudem scheint die Polyamorie, also das Bekenntnis zum Fremdgehen, den Wunsch, heimliche Liebesbeziehungen zu unterhalten, keineswegs abzutöten. Die Begründerin der Bewegung fand heraus, dass ihr ehelicher Gatte, einer jener drei Männer, mit denen sie eine Liebesbeziehung unterhält, viele Monate lang eine Fernbeziehung zu einer Freundin hatte. Es folgte das Übliche: Leugnungen, Recherchen, das Auffinden von Handyrechnungen, ein Geständnis. Das „Paar“ ist nun schon seit längerem getrennt und hat Scheidungspläne. „Nobody is perfect“ und oft sind halt die Dinge doch komplizierter als sie den Anschein machen…

Frauen gehen eher fremd als Männer!

Die Frau ist monogam und der Mann geht ständig fremd? Pustekuchen! Die Klischees über das sexuelle Verhalten der Geschlechter sind purer Unsinn. US-Forscher haben herausgefunden dass sich das weibliche Geschlecht stark zu wechselndem Sexkontakt hingezogen fühlt.

Frauen sind bei der Auswahl ihrer Partner mindestens ebenso beweglich wie Männer. Eine neue Studie aus den USA belegt sogar das Gegenteil des  Geschlechter-Klischees: Frauen sind treu und die Männer Herumstreuner. Die US-Forscher behaupten: Frauen haben häufiger Lust als Männer, willig auf die verlockendsten Angebote zu reagieren. Für diese Umkehrung des hartnäckigen Klischees in der Geschlechterwelt gibt es gute Gründe. Das Betrugsverhalten von Männern und Frauen folgt evolutionären Mustern die vorgegeben sind, schreiben die US-Forscher.

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Die Forscher haben 500 Paare in den USA befragt. Das Ergebnis ist erstaunlich: Je häufiger die Partner getrennte Wege gingen, desto stärker wurde das sexuelle Verlangen der Männer, desto mehr Samenzellen stauten sich an, und desto intensiver war die Bereitschaft der Männer, notfalls sogar mit Gewalt ihre vermeintlichen Rechte einzufordern.

Die Männer haben wohl kaum eine Wahl, schreiben die Forscher nüchtern. Als allgemeingültig akzeptiert gilt für den Menschen die klassische Darwin-Situation: Eine Frau sucht sich den klügsten, schönsten, gebildetsten Mann aus und sorgt so dafür, dass dessen Gene weiterleben. Aber so einfach ist die Sache nicht! Der Wettstreit um die Weitergabe seines Erbmaterials sei nach dem Akt noch längst nicht beendet. In der Natur gelte seit Jahrmillionen vielmehr das Gesetz, das die Wissenschaft den „Krieg der Spermien“ nennt – und dieses Verhaltensmuster finden die Forscher nun auch durch ihre Paarstudien bei Mann und Frau bestätigt.

Die Behauptung, Frauen seien promisker (also williger fremdzugehen) als Männer, ist alles andere als naiv. Quer durchs Tierreich, vom Wurm über die Maus bis hin zu Affen und dem Menschen, hat das weibliche Geschlecht ein Problem: Wie stellt sie sicher, dass tatsächlich die gesündesten, stärksten Spermien sie befruchten? Die meisten Tierarten lösen das seit je auf ihre Weise. Von Vögeln ist bekannt, dass sich die Weibchen täglich mit bis zu 20 Männchen paaren – um anschließend mit einem ihrer Geschlechtspartner in inniger, monogamer Zweisamkeit ihre Jungen aufzuziehen. Während der Paarungszeit sammeln die Vogelweibchen im Laufe mehrerer Tage den Samen ihrer Eroberungen. Welches der Männchen schließlich Vater der Brut werden darf – darüber entscheidet, möglicherweise erst Tage nach dem Akt, die Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Spermien.

Ähnliches beobachteten Verhaltensforscher auch bei unseren nächsten zoologischen Verwandten, den Affen. Evolutionsexperten schreiben folgendes über das Paarungsverhalten einer südamerikanischen Halbaffenart: „Eine Handvoll Männer warten darauf, dass sie an der Reihe sind, es mit der Affendame zu treiben. Sie tauschen sanfte Glucks- und Grunzlaute aus. Ab und an legt einer den Arm um die Schulter des anderen, oder sie schenken sich eine brüderliche Umarmung. Es gibt keinen Kampf zwischen den Freiern.“

„Dieser uralte Verhaltenstrieb steckt auch immer noch in uns“, behaupten die US-Forscher. Ob Frauen deshalb tatsächlich promisker seien und ihrer Natur nachgäben – sehen sie eher als soziale und gesellschaftliche Frage. Aus diesem Verständnis heraus sei der Gedanke entstanden, der Frau gehe es vor allem um Gefühlsbindung und Zuwendung von Ressourcen, dem Mann hingegen um leicht verfügbaren Sex.

 

Warum stehen junge Frauen auf ältere Männer?

Weshalb liebt eine junge Frau einen Mann, der den Zenit seines Lebens längst überschritten hat?
Psychologen vermuten einen Vaterkomplex. Biologisch gesehen ist diese Paarung aber durchaus sinnvoll, denn der eventuelle Nachwuchs hat optimale Entwicklungschancen.

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Er hat Angst vor starken Frauen und seinem eigenen Verfall
Viele Komplexe und wenig wirkliche Liebe führen solche Paare zusammen, sagen Psychologen. Was auch fehlt, ist eine gemeinsame Vergangenheit. Es ist nicht in erster Linie das junge „Lustobjekt“, das den älteren Herrn so anzieht. Er will vor allem nicht länger mit einer auf gleicher Ebene stehenden Frau zusammen sein, die ständig alles hinterfragt. Ihm gefällt auch die Rolle des Beschützers, und er selbst sucht nach seiner verlorenen Jugend.

Er hat Angst vor selbstbewussten Frauen, und die umgeht er mit einer Partnerin, die viel jünger, sozial schlechter gestellt und nicht ebenbürtig ist. Er glaubt, mit einer Jungen Frau den Verfall, vor dem er sich fürchtet, weit nach hinten schieben zu können. So widersprüchlich es klingen mag: der ältere Mann, der sich eine wesentlich jüngere Frau nimmt, hat einen ausgeprägten Mutterkomplex.

Er sucht in der jungen Frau seine eigene Mutter, die sich selbst aufopfernd um ihn kümmert, lautet die Deutung der Psychologen. Eine, die ihm den Haushalt macht, Tee kocht wenn er ein Aua-Aua hat und ihm die Koffer packt wenn er auf reisen geht.

Er wiegt seinen zurückgehenden Testosteronspiegel auf, indem er ihr materielle Annehmlichkeiten bietet. Sie offeriert ihm im Gegenzug ihre Jugendlichkeit. Die junge Frau denkt sich die schwindende Potenz ihres älteren Gefährten als besonders zärtliche, beschützende Liebe schön. Diese „Symbiose“ erklärt auch das vermeinliche Klischee, dass nur wohlhabende alte Männer noch junge Frauen bekommen können. Dieses Klischee stimmt! Das ist die Realität. Ein alter und wenn „leider“ auch armer Mann kann einer jungen Frau nie und nimmer das bieten, das sie als „Gegenleistung“ für ihr „Geschenk“ namens „Jungendlichkeit“ vom Alten Mann erwartet.

Sie sucht Bestätigung, Erfahrung, gesellschaftliche Achtung und Macht über Geld
Analyse eines Paarpsychologen: Für junge Frauen kann es eine grosse Selbstbestätigung sein, den „wohlhabenden Hirsch“ nicht nur zur Strecke gebracht, bzw. erobert zu haben, sondern damit auch gesellschaftliche Achtung und Macht über Geld zu erlangen. Zudem hat sie allein durch ihre Jugend und Vitalität auch Macht über ihn, denn seine Angst sie zu verlieren steigt von Jahr zu Jahr.

Die meisten jungen Frauen beteuern, dass das verlockende nicht das schöne Auto, das Geld, das eigene Haus mit Swimmingpool im Garten und der Schmuck ist. Aber warum gehen die älteren männlichen Singles aus der wenig wohlhabenden Arbeiterklasse meist leer aus und müssen sich mit dem „günstigeren“ Drittweltland-Import begnügen?

Gesichert ist, dass eine junge Frau bei einem älteren Mann gut aufgehoben ist, wenn sie sich nach einer gefestigten Persönlichkeit sehnt. Zudem ist ein älterer Mann nicht nur sexuell erfahrener, denn er hat auch meistens geistig mehr zu bieten. Seine normalerweise eher bescheidene Triebhaftigkeit gibt ihr auch ein sicheres Gefühl in Sachen Treue. Und ihm tut gut, dass er, vor allem im männlichen Umfeld, bewundert wird, wenn er mit einer jüngeren Frau auftritt. Schafft er es zudem trotz seines Alters, Nachwuchs zu zeugen, dann hat er bewiesen, dass er „noch kann“. Damit wird das Zusammengehen von Jugend und Reife für beide zu einem Gewinn.

Bei den jungen Frauen wiederum steht die Diagnose „Vaterkomplex“ im Raum. Statistiken besagen, dass Töchter alleinerziehender Mütter häufig nach Papaersatz suchen. Mit einem neuen „Sugardaddy“ will das „liebe Mädchen“ dann alles nachholen, was es als Kind vermisst hat. Sie richtet ihr Leben auf ihn aus, schläft mit ihm, wann er will, und verzichtet für ihn häufig auf Kinder, weil er schon welche hat oder weil ihm nicht mehr so viel Zeit bleibt.

Sinnvolle Paarung
Während die älteren Männer in diesen Verbindungen die Aufwertung ihrer Männlichkeit besonders schätzen, äussern sich die Frauen bescheidener: Dass er sie und ihre Bedürfnisse wichtig nimmt, empfinden die meisten jungen Frauen als sehr wohltuend. Die Frauen, die vor der Verbindung voll im Berufsleben standen, wissen ausserdem das Gefühl des „sich anlehnen können“ besonders zu schätzen.

Verhaltensbiologen halten die Paarung von Alt und Jung für durchaus sinnvoll. Ihre körperliche Frische und seine Lebenserfahrung plus Erbmasse bieten etwaigem Nachwuchs optimale Entwicklungschancen. Psychologen in den USA befragten mehr als 10.000 Männer und Frauen aus 37 verschiedenen Kulturen danach, welche Eigenschaften eines Partners sie besonders schätzen.

Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Frage nach dem Alter. Quer durch alle beobachteten Länder und Kulturen hinweg bevorzugten Männer eine Partnerin, die jünger ist als sie selbst. Umgekehrt schätzen Frauen einen Partner, der etwas älter ist als sie selbst.

Heiraten wollten die Männer am liebsten eine Frau im Alter von ca. 25 Jahren, das bedeutet: exakt auf dem Höhepunkt ihrer Gebärfähigkeit. Danach nimmt diese langsam wieder ab. Von der Entwicklungsgeschichte her ist der Mann liebesbiologisch im Unterbewusstsein auf der Suche nach einer Frau, die fruchtbar ist.

Seitensprünge entlarven

Männer sind offenbar besser im Entlarven von Seitensprüngen

Das Bild vom eifersüchtigen misstrauischen Mann ist offenbar zutreffend: Einer amerikanischen Studie zufolge erkennen Männer besser als Frauen, ob ihr Partner fremdgeht.

Männer sind offenbar besser im Entlarven von Seitensprüngen

Männer sind offenbar besser im Entlarven von Seitensprüngen

Forscher einer US-Universität hatten 203 junge heterosexuelle Paare Fragebögen ausfüllen lassen. Darin sollten sie angeben, ob sie selbst schon fremdgegangen sind und ob sie schon den Verdacht hatten, oder sogar entdeckten, dass ihr Partner einen Seitensprung hatte.

29 Prozent der Männer und 18 Prozent der befragten Frauen gaben Seitensprünge zu. Zwar konnten 80 Prozent der Frauen die Treue ihres Partners korrekt einschätzen, aber die Männer waren mit einer Trefferquote von 94 Prozent noch besser. Sie hatten 75 Prozent der in der Befragung zugegebenen Seitensprünge entdeckt, die Frauen dagegen nur 41 Prozent. Generell seien Männer allerdings auch viel misstrauischer als Frauen und vermuteten öfter als diese irrtümlich Untreue bei ihrem Partner.

Diese Beobachtungen machen aus Sicht der Evolution durchaus Sinn, so die Forscher. Männer haben mehr zu verlieren. Denn anders als Frauen könnten sie nie ganz sicher sein, ob der Nachwuchs tatsächlich von ihnen ist. Wenn eine Frau untreu ist, kann das den Mann die Chance zur eigenen Fortpflanzung kosten und er investiert seine Kraft und Mühe darin, den Nachwuchs eines anderen Erzeugers aufzuziehen.