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Wie lange würde er sich noch auf den Beinen halten können? Die Schüsse
hallten ihm noch in den Ohren. Die Gefechte gingen unbeirrt weiter. Bis
der letzte Mann auf einer Seite gefallen war, würden sie sich bis aufs
Blut bekämpfen. Männer mit den falschen Idealen, den falschen Propheten
und Zielen. Er hatte sich nicht freiwillig zur Armee gemeldet. Sie
hatten ihn abgeholt, wie viele junger Männer, um die sich ihre Mütter
sorgten. Die meisten von ihnen trauerten bereits. Sein Bein schmerzte
fürchterlich. Blut lief über die Wade und sickerte in seinen Stiefel. Er
zog das Bein hinter sich her und machte sich Gedanken über den
Blutverlust. Wie weit würde er mit dieser Verletzung kommen? Die Kugel
hatte zum Glück nicht in seinen Rumpf eingeschlagen, dennoch erschwerte
sie sein Vorankommen.
Würde seine Mutter ihn jemals wiedersehen? Würde er seine kleine
Schwester noch einmal sehen dürfen? Sich an ihrem süßen Lächeln
erfreuen, in das schelmische Gesicht blicken, das süße Grübchen an ihrem
Mundwinkel betrachten können? Wie sollte seine Familie ohne seine Hilfe
die Farm führen können? Er hatte sich um alles gekümmert. Sein Vater war
vor drei Jahren gestorben. Seine Mutter würde die Arbeit nicht alleine
verrichten können. Geld für Arbeiter hatten sie nicht. Er machte sich
Sorgen um seine Familie, obwohl sich seine schwermütigen Gedanken eher
um seinen momentanen Gesundheitszustand drehen sollten. Wenn er nicht
bald irgendwo Unterschlupf finden und sich zusammenflicken lassen würde,
müsste seine Familie jede Hoffnung auf seine sichere Rückkehr begraben.
Er spürte, wie er schwächer wurde. Er zog das Bein nach, das sich taub
anfühlte. Hatte er Fieber? Eine Infektion? Lange würde er sich nicht
mehr dahinschleppen können. Immer wieder vernahm er das Donnern und
Knallen der Kanonen und Gewehre und versuchte, so viel Weg wie möglich
zwischen der Gefahr und sich zu bringen. Was nutzte seine Flucht vom
Schlachtfeld, wenn er hilflos im Wald verblutete? Er fiel und rappelte
sich auf. Weitere einhundert Meter legte er zwischen sich und dem
sinnlosen Kriegsschauplatz zurück. Er stolperte über eine hervor lugende
Wurzel eines alten Baumes. Er geriet ins Straucheln und fiel der Länge
nach hin. Ihm fehlte die Kraft, sich zu erheben und blieb liegen.
Sein Blick fiel auf ein Gewässer, das friedlich zwischen den Bäumen
inmitten einer Lichtung ruhte. Wie gerne würde er sich am See
erfrischen, seine müden Glieder im Wasser entspannen. Er wusste, er
konnte den Weg bis zu der ersehnten Abkühlung nicht hinter sich bringen.
Er schloss die Augen und stellte sich vor, in das kristallklare Wasser
einzutauchen. Sich zu erfrischen, sanfte Schwimmzüge zu vollziehen und
sich treiben zu lassen. Er würde sich im Wasser auf den Rücken drehen
und den Himmel betrachten. Es wäre bestimmt friedlich und beruhigend.
Danach sehnte er sich. Er öffnete die Augen nicht mehr, denn sein
Tagtraum war viel schöner als die düstere Wirklichkeit. Hier bleibe ich,
dachte er und verweilte in Gedanken am See, der seine letzte Heimatstadt
sein sollte. Seine Atmung verlangsamte sich, sein Herz schlug leise und
regelmäßig. Er schlief ein und glaubte, in diesem Leben nicht mehr zu
erwachen.
Als er aufwachte, erschrak er. War der schöne Traum vorbei? Wo befand er
sich? Er öffnete die Augen. Über ihm war weder Wald noch Himmel. Er
hatte ein Dach über sich, das von Menschenhand errichtet wurde. Er
befand in einem Gebäude. Er lag auf einem Bett. Es sah nicht aus, wie in
einem Schlafraum. Eher wie ein einer Scheune, ohne jeglichen Komfort.
Der Geruch nach Tieren stieg in seine Nase. Er versuchte sich
aufzurichten, sank aber sogleich auf die Matratze zurück. Sein Kopf
dröhnte, er fühlte sich erschlagen. Was war mit seinem Bein? Er schlug
die dünne Decke zur Seite und erkannte, dass er nackt war. Wo war seine
Kleidung und wer hatte ihn ausgezogen? Sein Blick fiel auf das verletzte
Bein. Es sah schlimm aus. Unterhalb des Knies war das Bein dick
geschwollen. Dort, wo der Schuss eingedrungen war, nahm er einen dicken
Verband wahr. Die Wunde pochte und schmerzte, aber sein Bein war ihm
geblieben. Er hatte etliche Kameraden in Lazaretten angetroffen, denen
man die Gliedmaßen abgenommen hatte. Dieses Schicksal würde ihm nicht
zuteilwerden.
Wer hatte ihn gefunden und ihn medizinisch versorgt? Er lauschte in die
Stille seiner Behausung. Es waren keine Schüsse mehr zu hören. Der Wind
wehte in den Blättern der Bäume, er glaubte, das Wiehern von Pferden zu
hören. Erneut musterte er seine Umgebung. In einer Ecke lagen
Strohballen auf dem Holzboden, Zaumzeug hing an einer Wand. Durch eine
Öffnung in einer Wand fiel helles Tageslicht herein. Der Raum, in den
man ihn verfrachtet hatte, war groß aber spärlich eingerichtet. Befand
er sich auf einem Dachboden? Auf einem Holzschemel stand ein Krug mit
Wasser, daneben befand sich ein Glas. Nirgendwo konnte er seine Sachen
finden. Wo war seine Uniform? Wo das Gewehr, auf das er sich während
seiner Flucht gestützt hatte, bis er vor Schmerzen und Schwäche nicht
mehr weiter konnte? Er wollte sich aufrichten, kam aber nicht weit. Als
er ein Bein aus dem Bett heben wollte, spürte er den Widerstand.
Das Klirren der Ketten bestätigte ihm seine Gefangenschaft, bevor er das
Metall sah. Er zog die Decke vollständig zur Seite und nahm den
Eisenring wahr, den man um sein gesundes Fußgelenk gelegt hatte. Dieser
war mit einer stabilen Kette an einem weiteren Ring an der Wand neben
ihm befestigt. Er war ein Gefangener. Ein Gefangener von wem? Vom Feind?
Warum lebte er noch? Warum befand er sich nicht in einem Feldlazarett,
wohin man die Verwundeten üblicherweise brachte?
"Wie bin ich hierhergekommen?", ging es ihm durch den Kopf. Er hörte ein
Knarzen und Scharren und versuchte die Quelle des Geräusches ausmachen.
Sein Blick fiel auf den Boden, keine fünf Meter vom Bett entfernt. Eine
Luke öffnete sich und fiel geräuschvoll auf den Holzboden. Staub und
vereinzeltes Stroh wurden aufgewirbelt. Er hielt die Lukenöffnung im
Blick und hielt den Atem an. Kurz darauf schob sich ein Kopf durch die
Öffnung.
Er glaubte zu träumen, als er die engelsgleichen Züge des Wesens
wahrnahm, das sich durch die Luke schob. Es trug ein weißes Kleid,
langes, blondes Haar fiel lockig auf seine Schultern. Die junge Frau in
dem dünnen Sommerkleidchen war bildhübsch. Er schätzte sie auf kaum
älter als zwanzig, vielleicht war sie jünger. Sie hatte eine schmale
Figur, kaum nennenswerte Brüste, sie wirkte beinahe zerbrechlich. Sie
warf barfuß. Der Gefangene verfolgte, wie sie die Luke im Boden hinter
sich schloss, sich umsah und sich dann zu einer Kommode in einer Ecke
des Raumes begab. Sie setzte sich schwungvoll darauf und betrachtete den
Mann auf dem Bett. Sonnenlicht fiel durch ein kleines Fenster an der
Wand auf ihr Gesicht, sodass sie blinzeln musste.
"Wie heißt du?", fragte Robin neugierig.
Die junge Frau antwortete nicht sogleich. Sie musterte den Gefangenen
neugierig, taxierte seinen freien Oberkörper und antwortete dann leise:
"Ich bin Ayla."
Ihm gefiel der Name. Ihm gefiel das Mädchen. War Ayla in der Lage, ihm
seine Situation zu erklären? "Warum bin ich hier und aus welchem Grund
bin ich angekettet."
"Zu deiner und unserer Sicherheit", antwortete sie. Ihre Stimme hatte
einen angenehmen Klang. Sie blickte sich um, kratzte sich am linken Arm
und musterte ihn erneut. "Wie ist dein Name?"
"Mein Name ist Robin ... Wer hat mich hierher gebracht und versorgt?
Dein Vater?"
"Mein Vater ist im Krieg. Wir haben ihn seit vielen Monaten nicht mehr
gesehen."
"Wer ...?"
"Meine Schwester und ich."
"Wo bin ich? Lebt ihr alleine hier?"
"Du bist auf einer Farm. Wir haben dich einige Meilen von hier im Wald
gefunden. Es ging dir nicht gut und meine Schwester hat beschlossen,
dich mitzunehmen und gesund zu pflegen."
"Dafür bin ich euch dankbar. Habt ihr meine Verletzung behandelt?"
"Davon weiß ich nichts. Ich kenne mich nicht mit medizinischen Dingen
aus ... Auf welcher Seite hast du gekämpft?"
"Für die Richtige", erklärte Robin und erkannte im nächsten Moment, wie
unzulänglich seine Antwort war.
"Hast du Soldaten getötet?"
"Viel zu viele."
"Wie war es? Was hast du dabei gefühlt?"
"Es war schlimm. Niemand sollte das tun", erklärte Robin.
"Ist das der Grund, warum du vom Schlachtfeld geflohen bist?"
Er hörte es nicht gerne, doch die junge Frau hatte recht. Er war
geflohen und hatte sich dem Kampf nicht gestellt. Er hatte nicht an die
Sache geglaubt, sondern nur an sein Leben und an seine Familie gedacht.
"Ich bin nicht stolz darauf. Jeder tote Soldat ist einer zu viel. Ich
wollte keiner von denen sein."
"Bist du verheiratet?"
Der Themenwechsel überraschte ihn. "Auf mich wartet zu Hause eine
Familie. Eine Mutter und eine Schwester. Was ist mit dir? Hast du einen
Freund?"
"Meine Schwester sieht es nicht gerne, wenn ich mich mit Männern
unterhalte."
"Gilt das auch für mich?"
"Besonders für dich", bestätigte sie mit einem schiefen Grinsen.
Robin fragte sich spontan, ob Ayla ihn nackt zu Gesicht bekommen hatte.
Warum besuchte ihn das Mädchen? War es die Neugierde, wie der fremde
Soldat aussah, woher er kam oder wer er war?
Ihre Blicke wanderten gleichzeitig auf die Bodenluke, unter der das
Geräusch von stapfenden Füßen hörbar wurde. Sie sahen einander an und
Ayla sprang von der Kommode. "Meine Schwester."
Im nächsten Moment ging die Luke auf und eine blonde Frau hievte sich
nach oben. Sie hatte ein Tablett mit einem Teller und einer Tasse bei
sich und stellte dieses auf den Boden. Als sie sich aufrichtete, sah
Robin sie fasziniert an. Sie war älter als Ayla, aber nicht minder
schön. Sie hatte ihr Haar zu einem Zopf gebunden, der ihr über die linke
Schulter fiel. Die Ähnlichkeit zu Ayla war nicht zu übersehen. Ihre
Kleidung war zweckmäßig, nicht schick. Sie trug ein grünes Kleid mit
einer Schürze darüber. Sie warf Ayla einen tadelnden Blick zu und
deutete mit einem Kopfnicken auf die geöffnete Luke. Ayla zog die
Schultern hoch und befolgte die Aufforderung. "Wir sehen uns, Robin."
Dann war sie auch schon durch die Öffnung verschwunden.
Die andere Frau hob das Tablett auf und näherte sich dem Bett. Robin
verfolgte jede ihrer Bewegungen. Sie stellte das Tablett auf einen
Schemel und hielt gebührenden Abstand zu dem Gefangenen. "Wie geht es
Ihnen? Was macht Ihr Bein?"
"Es schmerzt und juckt ... Haben Sie mich verarztet?"
Sie nickte. "Wir haben Sie gefunden und hierher gebracht."
"Dafür danke ich Ihnen. Mein Name ist Robin."
Sie musterte ihn skeptisch und schien zu überlegen, ob sie sich ihm
vorstellen sollte. "Ivy."
"Ich danke Ihnen sehr, Ivy ... Wie haben Sie mein Bein versorgt?"
"Ich habe die Kugel entfernt und eine Salbe aufgetragen. Ihr Bein hat
sich entzündet, aber es wird wohl wieder werden."
"Warum bin ich hier gefangen?"
Sie fasste in ihre Schürze und zog Verbandsmaterial hervor. "Ich muss
Ihren Verband wechseln. Ziehen Sie bitte die Bettdecke von ihrem
verletzten Bein."
Robin hatte realisiert, dass sie seine Frage nicht beantwortet hatte. Er
tat wie befohlen und legte das verwundete Bein frei. "Haben Sie mich
ausgezogen, Ivy?"
Ivy näherte sich dem Bett und achtete darauf, Robin nicht zu nahe zu
kommen. Sie zog eine Schere aus ihrer Schürze und begann, den alten
Verband aufzuschneiden. Robin zuckte vor Schmerzen zusammen.
"Ihre Kleidung war verdreckt, zerrissen und Sie haben nicht gut
gerochen", erklärte Ivy. "Nachdem ich Sie zusammengeflickt habe, habe
ich Sie gewaschen ... Solange Sie hier im Bett liegen, werden Sie keine
Kleider benötigen. Oder ist Ihnen kalt?"
"Nein, sicher nicht."
Robin war nicht wohl bei dem Gedanken, dass ihn die beiden Frauen nackt
gesehen haben könnten. Er sah zu, wie Ivy den alten Verband entfernte,
die Wunde prüfte und seinen Unterschenkel mit sauberem Verbandsmaterial
bedeckte.
"Wird mein Bein wieder ganz gesund werden?"
"Ich bin kein Arzt", entgegnete sie abweisend. "Ich glaube aber nicht,
dass es Ihnen abfallen wird."
Sie erhob sich und packte die Schere und die Reste des Verbandszeugs in
ihre Schürze. Dann nahm sie das Tablett an sich und stellte es auf die
Matratze. "Hier sind etwas zu Essen und ein Kaffee. Tut mir leid, wenn
er inzwischen kalt sein sollte."
"Ich danke Ihnen ... Wann werden Sie mir meine Fesseln abnehmen?"
"Dann, wenn ich Ihnen trauen kann ... Wenn Sie einem menschlichen
Bedürfnis nachkommen müssen ... neben dem Bett steht ein Eimer."
Sie drehte sich ohne weitere Worte um und ging auf die Öffnung am Boden
zu. Sie stieg hinein und schloss die Luke hinter sich. Robin lauschte
den verklingenden Schritten und betrachtete den Teller auf dem Tablett.
Urplötzlich erkannte er, dass er großen Hunger verspürte. Nachdem er
sich gestärkt und den köstlichen Kaffee heruntergespült hatte, begann
Robin, seine Umgebung zu inspizieren. Die Kette an seinem Bein erlaubte
ihm, sich knapp einen Meter um das Bett herum zu bewegen. Weiter kam er
nicht.
Er kniete sich vorsichtig auf das Bett und versuchte, durch das Fenster
zu schauen. Es gelang ihm nicht. Von draußen waren Tierlaute zu hören.
Wind pfiff durch die Bäume. Ein Vogel stieß einen kurzen Schrei aus.
Robin ließ sich auf das Bett fallen und betrachtete sein Bein. Ivy hatte
den Verband professionell angelegt. Ein Arzt hätte es nicht besser
machen können. Wie lange würde es dauern, bis die Wunde verheilt war?
Würde etwas zurückbleiben? Was geschah, wenn er wieder bei Gesundheit
war und aus dem Bett aufstehen konnte? Würden sie ihm die Kette abnehmen
und ihn gehen lassen? Warum hatten Ivy und Ayla Angst vor ihm und trauen
ihm nicht?
Robin verlor sich in seinen Gedanken und schlief kurz darauf ein. In
seinen Träumen wurde er von unsäglichen Szenen auf dem Schlachtfeld
heimgesucht. Er wachte schweißgebadet auf und sah sich blinzelnd um. In
seinem Gefängnis war es dunkel geworden. Nur noch wenige Sonnenstrahlen
fielen durch das Fenster. Er spürte seine Blase und erinnerte sich an
den Eimer, von dem Ivy berichtet hatte. Er schob die Bettdecke von sich
und rutschte an den Rand des Betts. Robin schob beide Beine über die
Matratze und versuchte aufzustehen. Ein starker Schmerz fuhr mit voller
Wucht in sein verletztes Bein. Er fiel auf das Bett zurück und stöhnte
schmerzvoll auf. Nach einer kurzen Verschnaufpause unternahm er einen
neuen Versuch. Er humpelte zu dem Eimer und baute sich vor diesem auf.
Er ließ es laufen und erfreute sich an dem erleichternden Gefühl. Er
schloss die Augen und seufzte zufrieden auf.
"Tut doch gut, wenn man sich endlich erleichtern kann, oder?", drang
plötzlich eine Stimme aus der Dunkelheit zu ihm.
Robin erschrak, verfehlte den Eimer und geriet ins Wanken. Er fiel auf
das Bett und versuchte die Person auszumachen, die ihn angesprochen
hatte. Ayla saß erneut auf der Kommode und starrte ihn neugierig an.
Robin zog rasch die Bettdecke über sich und betrachtete die junge Frau.
"Ayla ...? Was tust du hier?"
"Mir war langweilig. Da wollte ich dir Gesellschaft leisten."
Robin wurde sich bewusst, dass sie ihn nackt gesehen hatte. Noch dazu
beim Wasserlassen. "Und was sagt deine Schwester dazu?"
"Ivy denkt, dass ich im Wald Pilze sammle."
"Dann solltest du das besser tun, anstatt fremde Männer aus der
Dunkelheit heraus anzustarren."
"Stört es dich, dass ich dich nackt gesehen habe?"
Robin fiel keine sinnvolle Erwiderung auf die Frage ein. "Wie lange
sitzt du da schon?"
"Nicht sehr lange. Ich habe dir beim Schlafen zugesehen ... Du hast
geschnarcht."
"Äh, ja ... Ich bin mir nicht sicher, ob du nicht besser wieder gehen
solltest."
"Warum? Möchtest du keine Gesellschaft?"
"Wenn deine Schwester dich hier bei mir sieht, gibt es bestimmt Ärger."
"Das ist ja dann mein Problem", stellte das Mädchen fest und sprang von
der Kommode.
Sie hatte noch immer das weiße Kleid an und Robin fragte sich, ob sie
darunter noch etwas anderes trug. Ayla setzte sich an das Bettende und
lächelte Robin neckisch an. "Du bist nicht der erste Mann, den ich nackt
zu sehen bekomme."
"Also hast du doch einen Freund?"
"Das habe ich nicht gesagt ... Ganz in der Nähe gibt es einen See."
Robin erinnerte sich, diesen kurz vor seiner Ohnmacht gesehen zu haben.
"Bevor es zum Krieg kam, haben etliche junge Männer in dem See gebadet.
Rate mal, wer heimlich hinter den Büschen gesessen und zugesehen hat?"
Er traute Ayla durchaus zu, dass sie auf der Lauer gelegen hatte, um
sich die nackten Leiber des anderen Geschlechts zu Gemüte zu führen.
"Was ist mit dir ...? Badest du auch hin und wieder in dem See?"
"Manchmal. Ist aber schon ein paar Tage her", antwortete Ayla. Sie
grinste Robin an und fragte: "Fragst du dich gerade, ob ich beim Baden
im See nackt bin?"
Robin versuchte, sich Ayla ohne das Sommerkleid vorzustellen. Er spürte,
wie sich etwas zwischen seinen Beinen regte. Es begann an seinem Penis
zu kribbeln und Robin zwang sich krampfhaft, an etwas anderes als an
ihren Hintern und ihre Brüste zu denken.
"Warum bist du mit keiner Frau zusammen?", fragte die junge Frau
neugierig.
Robin seufzte. "Kann ich dir nicht sagen ... Vielleicht fühle ich mich
zu jung dafür. Zudem hatte ich auf der Farm meiner Familie immer viel zu
tun. Hat sich halt noch nicht ergeben."
"Gefalle ich dir?"
Die offene und direkte Art überraschte Robin und so richtig konnte er
damit nicht umgehen. Ayla schenkte ihm ihr süßestes Lächeln und schob
sich eine widerspenstige Haarsträhne hinter das rechte Ohr.
"Du bist hübsch."
"Würdest du eine wie mich heiraten?"
"Wenn ich dich besser kennen würde ... Ich weiß es nicht genau", gab
Robin zu.
"Du könntest mich besser kennenlernen."
Was hatte sie im Sinn? Sie flirtete mit ihm und wollte ihn eindeutig aus
der Reserve locken. Robin hatte keine Ahnung, wie er sich in dieser
Situation verhalten sollte. "Ich bin mir nicht sicher, was deine
Schwester davon halten würde, wenn du dich mit einem Gefangenen
einlassen würdest."
"Wenn es nach mir ginge, müsstest du die Ketten nicht tragen", stellte
Ayla klar. "Du würdest uns doch nichts tun, oder?"
"Nein. Natürlich nicht."
Sie warf ihm einen schelmischen Blick zu. Ayla taxierte ihn, schien kurz
in Gedanken versunken zu sein und fasste sich ohne Vorwarnung an den
Saum ihres Kleides. In einer fließenden Bewegung stand sie auf und zog
das Kleid über ihren Kopf. Robin staunte nicht schlecht, als er im
nächsten Augenblick nichts als nackte Haut zu sehen bekam. Das weiße
Sommerkleid war das einzige Kleidungsstück, das Ayla am Leib getragen
hatte. Sie behielt es in der Hand und ließ sich betrachten. Ihre Arme
hingen locker an ihrem Körper herab.
"Was tust du da?"
"Gefällt dir, was du siehst?"
Robin starrte auf ihren nackten, dünnen Körper. Sie hatte lange Beine,
kein Gramm Fett am Leib. Aylas Bauch war flach, ihre Brüste unscheinbar.
Im diffusen Licht, das durch das Fenster fiel, erkannte er ihr buschiges
blondes Schamhaar. Sein Körper reagierte. Das Blut floss zielgerichtet
in seine untere Körperhälfte. In kürzester Zeit war sein Penis hart.
Robin war froh, dass er seine Erregung mit der Decke verbergen konnte.
"Du solltest dich wieder anziehen."
"Warum?"
"Ivy kann jeden Moment hier hochkommen."
"Nein, ganz bestimmt nicht."
Ayla warf ihr Kleid auf das Bett und ließ sich betrachten. Dann
streichelte sie sich über den Bauch und führte ihre Hände über ihren
Busen. "Ich weiß, dass ich kleine Brüste habe ... Gefallen sie dir
trotzdem?"
Wenn Ayla nur wüsste, wie sehr. Robin starrte auf ihre Finger, die
sachte über die Brüste der jungen Frau streichelten. Mit den
Fingerkuppen begann Ayla sich zu reizen und brachte Robins Blut in
seinen Lenden zum Kochen.
Er hatte nicht viel Erfahrung mit Frauen. Mit wenigen hatte er das
Nachtlager geteilt. Das letzte Mal war viele Monate her gewesen. Robin
gestand sich ein, dass er Ayla begehrte, obwohl er wusste, dass er sie
nicht haben durfte. "Du bist wunderschön und ich würde lügen, wenn ich
sagen würde, dass ich dich nicht begehre."
Ayla freute sich über das Kompliment und massierte sanft ihre Brüste.
"Aber wir dürfen das nicht tun. Wir kennen uns nicht, deine Schwester
passt auf dich auf und es wäre falsch."
"Wir machen doch gar nichts."
Ayla schob eine Hand über ihren Bauch in ihren Schoß hinab und begann,
mit den Fingern spielerisch in ihrem Schamhaar zu nesteln. Robins Mund
wurde trocken, sein Schwanz stieß gegen die Unterseite der Bettdecke.
Vergessen waren die Schmerzen in seinem Bein, verdrängt war seine
Situation als Gefangener.
"Möchtest du gerne etwas machen, das dir gefällt?", fragte Ayla in
laszivem Ton und machte einen Schritt auf das Bett zu. Robin ließ seinen
Blick nicht von ihr ab und sah die junge Nackte auf sich zukommen. Ayla
stand nun direkt neben dem Bett. Robin musste nur zufassen. "Ich könnte
dich jetzt packen und dir etwas antun."
"Das würdest du nicht tun."
Robin konnte ihr Vertrauen nicht nachvollziehen. "Und wenn doch?"
"Ich bin mir sicher, dass du ein guter Mensch bist. Du wirst zärtlich
und behutsam sein. Du bist kein gewalttätiger Mann, der einer jungen
Frau etwas antun würde."
Ayla kniete nun mit beiden Knien auf der Matratze. Robin saß einen
halben Meter von ihr entfernt unter der Bettdecke. Als Ayla nach dieser
griff, ließ er sie gewähren. Sie zog die Decke Stück für Stück von
seinem Körper. Am Ende lag Robin nackt vor ihr. Der Verband an seinem
Bein war die einzige Stelle, die nicht unverhüllt war. Ayla starrte
zwischen seine Schenkel und ließ Robins Prügel nicht aus den Augen.
Hatte sie zuvor einen harten Schwanz gesehen? Was hatte Ayla bei den
jungen Männern am See zu sehen bekommen? Urplötzlich fragte sich Robin,
ob Ayla noch unberührt sein könnte. Er wollte sie. Er begehrte sie. Aber
durfte er ihr die Unschuld nehmen?
"Fass mich an", hauchte sie zärtlich. Robin zögerte. Ayla lächelte und
begutachtete erneut seinen strammen Kameraden zwischen den Beinen. Sie
rückte näher an ihn heran. Die Kette an seinem Bein hielt ihn nicht
davon ab, sich der jungen Frau zu nähern.
Robin hob den Arm und legte ihr die flache Hand auf das Hinterteil. Ayla
spielte unbeirrt mit ihren Brüsten und warf ihm neckische Blicke zu.
Dann fasste sie sein Handgelenk und führte die Hand zu ihrer
Vorderseite. Robin ließ sich lenken und spürte kurz darauf das blonde
Schamhaar an seinen Fingerspitzen. Sein Schwanz zuckte vor Aufregung auf
und ab. Ayla ließ seinen Arm los und streichelte sich erneut über ihre
kleinen Brüste. Robin begann, mit ihrer Scham zu spielen. Vorsichtig
tastete er sich vor und fühlte nach einer Weile die schmale Spalte unter
den Haaren. Er wagte sich vor und schob den ausgestreckten Mittelfinger
zwischen die Schamlippen. Aylas Stöhnen war der Dank für seine
Annäherung. "Oh, schön."
Robin wusste nicht, wo es enden würde, aber der Reiz, zwischen den
Beinen der jungen Frau zu spielen, war unbändig geworden. Er musste es
einfach tun.
Sein Finger schob sich unentwegt durch den warmen Schlitz. Die
Feuchtigkeit seiner Gespielin wurde allgegenwärtig. Er ließ ihr Gesicht
nicht aus den Augen und versuchte zu ergründen, wie sehr Ayla erregt
sein musste. Die nackte Frau auf seinem Bett stöhnte auf, gluckste vor
sich hin, schloss genüsslich die Augen und wirkte glücklich und
zufrieden. Es war eine spannende Situation, auch für ihn, und Robin
spielte mit dem Gedanken, seine Vorsätze von zuvor über Bord zu
schmeißen und Ayla an sich zu reißen. Dann wurde die junge Frau mutiger.
Sie beugte sich vor und streckte ihre Hand aus. Als Robin ihre
Fingerspitzen auf seiner Eichel spürte, stöhnte er energisch auf und
zitterte am ganzen Leib. Sie hatte sein bestes Stück kaum angefasst und
doch fühlte es sich an, als würde seine Explosion kurz bevorstehen. "Oh
Gott."
Sie reizte ihn an seiner Spitze und fuhr dann mit zwei Fingern den
Schaft entlang. Robins Schwanz zuckte wild und wollte sich nicht mehr
beruhigen. Vor lauter Lust hatte er Aylas Bedürfnisse aus den Augen
verloren und seine Finger aus ihrer Muschi gezogen. Ayla protestierte
nicht. Sie war zu sehr mit der Erforschung seiner Männlichkeit
beschäftigt. In diesem Moment fasste sie an seinen Hodensack und packte
feste zu. Dann umschlossen ihre Finger seinen Stab und begannen, auf und
ab zu reiben. Robin hätte nicht sagen können, wie viele Male ihre Finger
auf und ab fuhren. Es konnten aber nicht viele Versuche gewesen sein.
Ohne dass Ayla ihn stark gereizt hatte, kam er zum Höhepunkt. Sein
Orgasmus baute sich in seinem Schritt auf und ließ ihn frohlocken. Es
war erregend und wunderschön und er genoss das geile Gefühl in vollen
Zügen. Sein Sperma schoss aus seinem Schwanz und landete auf seinem
Bauch. Zahlreiche Tropfen fielen auf Aylas Hand, die unbeirrt weiter
stimulierte. Es dauerte noch ein paar Sekunden, dann lag der schöne
Augenblick hinter ihm.
Robin war atemlos und befriedigt und starrte Ayla an, die nun ihre Hand
von seinem Schwanz nahm und ihre verklebten Finger neugierig
untersuchte. Während Robin noch die Ausläufer seines Lustmoments
auskostete, begann Ayla, seinen Samen von ihren Gliedmaßen zu lecken.
"Das wollte ich immer schon mal probieren."
Robin brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, was gerade geschehen
war. Er war sich sicher, dass es ein Fehler gewesen war, Ayla so nahe
gekommen zu sein. Wenn Ivy davon erfuhr, würde sie wenig begeistert
sein. Ayla hatte seine Spuren von ihren Fingern geleckt und erhob sich
von der Matratze. Sie machte einige Schritte in die Mitte des Raumes und
bückte sich zu ihrem Kleid herab. Sie warf es sich über und wuschelte
anschließend durch ihr Haar.
Ayla grinste zufrieden und meinte: "Das hat mir gefallen ... für den
Anfang."
Robin war froh, dass es nicht zum Äußersten gekommen war. Da er aber
keinen blassen Schimmer hatte, wie weit Ayla gehen würde, fühlte er sich
unwohl in seiner Haut. Würde Ayla ihrer Schwester von den Ereignissen
auf dem Dachboden erzählen? Würde sie eine Wiederholung einfordern? Oder
mehr wollen?
"Du solltest nun schlafen, damit du bald wieder bei Kräften bist."
Mit dieser zweideutigen Aussage verabschiedete sie sich in die
Dunkelheit und schlüpfte durch die Luke. Robin blieb unschlüssig zurück
und starrte noch lange an die Decke seines Gefängnisses.
Als Robin am nächsten Tag erwachte, fiel das erste Tageslicht des
Morgens durch das Fenster. Er hatte unruhig geschlafen und sein erster
Gedanke galt Ayla und was zwischen ihnen beiden geschehen war. Es war
schön gewesen und befriedigend, dennoch glaubte er zu wissen, dass es
falsch gewesen war, ihr näher gekommen zu sein. Sein Bein schmerzte noch
immer und er fühlte sich alles andere als gesund. Nachdem er erneut für
eine Weile weggedämmert war, wurde er wach, als er Geräusche unterhalb
der Dachluke vernahm. Jemand kam zu ihm hoch. War es Ayla? Oder ihre
Schwester? Ivy hatte das Tablett mit Frühstück bei sich, als sie den
Dachboden betrat. Robin achtete darauf, dass er seine Blöße bedeckt
hielt, und versuchte freundlich zu sein. "Guten Morgen, Ivy."
"Guten Morgen ... Robin. Was macht Ihr Bein?"
"Fühlt sich schon besser an. Ich denke, Sie haben es gut versorgt."
Sie stellte das Tablett ab und wollte erneut den Verband wechseln. Als
Robin die Bettdecke zur Seite schlug, erhaschte sie einen Blick auf
seinen Schritt und Robin glaubte erkannt zu haben, dass Ivy peinlich
berührt war und sich eine tiefe Röte auf ihrem Gesicht abzeichnete.
Sie wechselte den Verband in aller Stille und erhob sich wieder, nachdem
das weiße Leinen stramm um Robins Wade befestigt war. Sie nahm den Eimer
mit Robins Ausscheidungen an sich und ging zurück zur geöffneten Luke.
"Sie sollten etwas essen. Ayla wird Ihnen nachher Ihre Sachen
vorbeibringen. Ich habe sie genäht und gewaschen."
"Ich danke Ihnen, Ivy ... Wann nehmen Sie mir die Kette ab? Ich
verspreche auch, nichts zu tun, was Ihnen missfallen könnte."
Sie bedachte ihn mit einem strengen Blick, beantwortete die Frage aber
nicht. Sie verschwand kurz nach unten und kehrte kurz darauf mit dem
leeren Eimer zurück. Bevor sie erneut in der Dunkelheit der Luke
verschwand, erklärte sie: "Ayla wird sie später besuchen kommen."
Robin sah ihr hinterher. Dann war sie verschwunden und er war wieder
alleine.
Er dachte nach. Ivy war auch an diesem Morgen ausgesprochen hübsch
gewesen. Sie strahlte eine natürliche Schönheit aus, auch wenn sie sich
ihm gegenüber eher kühl und abweisend verhielt. Sie bedachte ihn stets
mit feindseligen Blicken und er konnte nicht einschätzen, ob Ivy ihm
traute. Robin mochte sie und er hoffte, dass sie ihm bald wieder
Gesellschaft leisten würde. Es verging geraume Zeit, bis sich der
nächste Besucher ankündigte. Ayla stieg durch die Luke und ging grinsend
auf Robin zu. Sie schwang sich auf sein Bett und lächelte schelmisch.
Sie hatte ein Bündel Kleider mitgebracht und legte es vor Robin ab. "Das
hier soll ich dir geben. Obwohl ich es besser fände, wenn du weiterhin
nackt bleiben würdest."
Robin warf einen Blick auf seine Sachen und erkannte, dass sie an
mehreren Stellen geflickt waren. Ivy hatte ganze Arbeit geleistet.
"Was ist? Willst du dich nicht anziehen?"
"Später."
"Darf ich dir dabei zusehen?", fragte Ayla zuckersüß.
"Lieber nicht."
"Hat dir gestern Abend nicht gefallen, was wir beide gemacht haben?"
Hatte es das? "Es hat mir gefallen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es
richtig war", stellte Robin fest. "Du bist so jung und ich bin euer
Gefangener."
"Für mich nicht ... Und mach dir mal keine Gedanken. Ich bin alt genug,
um zu wissen, was ich tu."
Robin war sich da nicht so sicher. "Sag bitte deiner Schwester, dass ich
dankbar für ihre Hilfe bin."
Ayla sah ihn mit finsterer Miene an. Es war offensichtlich, dass sie in
ihrer eigenen Schwester eine Rivalin sah. "Habe ich nichts für dich
getan?"
Was sollte er darauf antworten? Er schwieg zunächst. Ayla trug heute ein
ähnliches Kleid wie am Tag zuvor. Es war aus grauem Stoff gewebt und war
leicht anders geschnitten. Ihr Körper sah ebenso schlank und
unterernährt aus wie am gestrigen Tag.
"Glaubst du, Ivy vertraut mir bald so weit, dass ihr mich losketten
werdet?"
"Ich finde nicht schlecht, dass du nicht abhauen kannst", erklärte Ayla
mit schelmischem Lächeln.
"Ich könnte euch auf der Farm behilflich sein."
"Mit deinem verletzten Bein? Du wärst eher eine Belastung für uns.
Alleine schon, weil wir dir Essen geben, müssen wir verzichten."
"Oh."
"Oder hast du geglaubt, der Krieg ist spurlos an uns vorbeigegangen und
es geht uns gut und wir haben keinerlei Sorgen?"
"Tut mir leid", erwiderte Robin. "Ich werde euch sobald wie möglich
verlassen, wenn mein Bein wieder halbwegs in Ordnung ist."
"Mach dir mal darüber keine Sorgen ... Lass uns lieber über das reden,
was gestern Abend passiert ist."
Robin sah Ayla fragend an. "Was gibt es da großartig zu bereden?"
"Mir hat es gefallen", gab Ayla zu. "Schade, dass es schon so schnell
vorbei war."
Robin reagierte nicht auf die dezente Kritik an seinem Standvermögen.
"Wir könnten es wiederholen", schlug Ayla euphorisch vor.
"Wir sollten das besser sein lassen."
"Warum?"
"Es wäre besser so."
Ayla betrachtete Robin eingehend und traf erneut eine spontane
Entscheidung.
"Nein, lass ...", begann Robin, doch Ayla hatte sich bereits das Kleid
vom Körper gestreift. Erneut trug sie keine Unterbekleidung. Sie blieb
nackt vor ihm sitzen und war sich seiner Blicke sicher. Robin konnte
nicht anders, als ihre Konturen mit Blicken nachzufahren. Ayla hatte
nichts von ihrem Reiz verloren und er konnte nicht verhindern, dass er
auf den anregenden Anblick reagierte.
"Sieh ruhig hin", forderte das Mädchen ihn auf.
"Wie alt bist du, Ayla?"
"Spielt das eine Rolle?"
Robin sah sie streng an. Sie zog die Schultern hoch und meinte: "22."
"Lüge mich bitte nicht an."
"OK, ich bin 19 ... Ehrlich."
"Und Ivy?"
"Warum musst du das wissen?", fragte Ayla irritiert.
"Nur so."
"Vor dir sitzt eine nackte junge Frau und du fragst nach dem Alter einer
anderen?"
"Vergiss es einfach."
"28."
"Danke."
"Nachdem deine Neugierde nun gestillt ist, könntest du dich mit mir
beschäftigen."
Robin wusste, dass es falsch sein würde, doch sein harter Schwanz unter
der Decke war anderer Meinung. Ayla rückte ein Stück näher an ihn und
nahm seine Hand in ihre. Sie führte Robins Hand auf ihre Brüste zu. Als
sich die Finger um die flache Erhebung legten, spürte er die wohlige
Wärme, die Ayla ausstrahlte.
"Das gefällt dir doch, oder?"
"Du bist eine wunderschöne Frau. Aber ..."
Sie griff an einen Zipfel der Bettdecke und wollte sie von seinem Schoß
ziehen.
"Nein, lass."
"Warum? Hast du etwas zu verbergen?", fragte Ayla schmunzelnd. Robin
wehrte sich nur kurz und ließ sie schließlich gewähren. Die junge Frau
erblickte seine stattliche Erregung und meinte grinsend: "Du freust dich
also doch, mich zu sehen."
Gerade als sie ihre Hand nach dem Prügel ausstrecken wollte, vernahmen
sie einen Ruf von jenseits des Gebäudes.
"Ayla!"
"Das ist meine Schwester."
"Was ist, wenn sie dich hier suchen kommt?", fragte Robin sorgenvoll.
Ayla überlegte kurz und erhob sich aus dem Bett. Sie warf sich ihr Kleid
über und wühlte in dem Wäschepaket, das sie Robin zuvor mitgebracht
hatte. "Los zieh dich an."
Robin wollte sich beeilen, stellte dann aber fest, dass er immer noch an
einem Bein angekettet war. "Wie soll ich das denn machen? Ich bekomme
meine Hose nicht an."
Ayla kicherte schelmisch. "Dann wirst du wohl weiter nackt bleiben
müssen. Mir gefällt es."
Ivy kam die Stufen zum Dachboden herauf. Ihre Schwester setzte sich auf
ihren angestammten Platz auf die Kommode, während Robin die Decke über
sich schlug. Kurz darauf schob sich der schlanke Körper der 28-Jährigen
durch die Luke. Sie sah sich um und fand ihre Schwester auf der Kommode
sitzend vor. "Hier bist du. Du solltest doch die Wäsche zusammenlegen."
"Mach ich gleich ... Unser Gefangener hat ein kleines Problem beim
Anziehen."
Ivy richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Mann im Bett. Robin zog die
Schultern in einer Geste des Bedauerns hoch und meinte: "Solange ich an
Ketten hänge, kann ich mich nicht ankleiden."
Ivys Blick fiel auf die Eisenkette, die an der Wand befestigt war. Sie
dachte nach und fasste dann in ihre Schürze. Sie brachte einen kleinen
Schlüssel zum Vorschein und näherte sich dem Bett. Sie schlug ein Stück
der Decke zur Seite und schob den Schlüssel in das Schloss der
Beinschelle. Robin hörte das Klicken des Verschlusses und war dankbar,
dass sie ihn von den Fesseln befreit hatte. "Ich danke Ihnen, Ivy. Ich
werde Sie nicht enttäuschen und mich friedlich verhalten."
Sie bedachte seine Äußerung mit einem knappen Nicken und machte dann
kehrt. Sie warf Ayla einen strengen Blick zu und erinnerte im
Vorbeigehen an die anstehende Aufgabe. Dann verschwand sie durch die
Luke und war verschwunden. Robin wurde das ungute Gefühl nicht los, dass
Ivy ihm die kalte Schulter zeigte und ihm immer noch nicht vertraute.
Ihre eisige Ablehnung ihm gegenüber irritierte ihn, zumal sie ihn
gleichzeitig gesund pflegte und ihn mit Nahrung versorgte.
"Wenn es nach mir ginge, müsstest du dich trotzdem nicht anziehen",
stellte Ayla mit einem Lächeln auf den Lippen fest und sprang von dem
Möbelstück.
"Es ist wohl besser, wenn ich mich jetzt mal um meine Aufgabe kümmere.
Wir sehen uns später."
Robin sah sie in der Lukenöffnung im Boden verschwinden und erhob sich
aus dem Bett. Er untersuchte sein Bein und erkannte die Abdrücke, welche
die Beinschelle auf der Haut hinterlassen hatte. Er rieb an den Striemen
und besah sich dann das andere Bein.
Der Verband saß stramm an seinem Unterschenkel und bedeckte seine Wunde.
Robin machte ein paar Schritte auf wackeligen Beinen und humpelte hin
und her. Dann beschloss er, sich anzuziehen. Ivy hatte ihm nicht
erlaubt, den Dachboden zu verlassen. Würde sie es dulden, dass er
herunterstieg und sich frei auf dem Gelände bewegte? Konnte er ohne
Gehhilfe lange Strecken bewältigen? Robin wollte es herausfinden. Als er
wenig später am unteren Ende der Treppe angekommen war, war er
schweißgebadet. Die wenigen Stufen hatten ihn geschlaucht und es war
offensichtlich, dass er noch lange nicht gesund war und noch eine Weile
bis zur vollständigen Genesung brauchen würde. Er legte eine
Verschnaufpause ein und schleppte sich dann aus der Scheune, während er
sich humpelnd bewegte und sich an den Wänden festzuhalten versuchte. Die
Sonne schien ihm ins Gesicht. Urplötzlich kam in ihm der Eindruck von
wiedergewonnener Freiheit auf. Man hatte ihn gegen seinen Willen
festgehalten, auch wenn er ohnehin kaum in der Lage gewesen wäre, sich
fortzubewegen.
Ein kleiner Hund kreuzte seinen Weg. Robins Blick wanderte umher. Er
befand sich auf einer Farm mit einem mittelgroßen Haupthaus. Seine
bisherige Unterkunft war eine baufällige Scheune, deren Nutzen er nicht
erkennen konnte. In einiger Entfernung erkannte Robin weitere kleine
Gebäude: Einen Schuppen und ein Gartenhaus. Links von ihm sah er einen
Brunnen, vor dem Haupthaus hatte jemand einen Gemüsegarten angelegt. Er
schleppte sich mühsam Meter um Meter vorwärts, erkannte aber schnell,
dass er nicht weit kommen würde. Ehe er sich versah, lag er auf dem
staubigen Boden. Dann kam Ivy aus dem Haus auf ihn zugeeilt. Sie ging
neben ihm in die Knie und legte ihren Arm um Robin. Sie half ihm auf und
Robin wunderte sich, wie stark die attraktive Frau war. Sie stützte ihn
und führte ihn in Richtung einer Bank, die neben dem Eingang des
Wohnhauses stand.
"Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dass Sie in Ihrem Zustand
umherlaufen sollten?"
Robin war zu erschöpft, um zu antworten und ließ sich schwer atmend auf
die Bank fallen. Ivy blieb vor ihm stehen und blickte auf ihn herab.
"Es geht schon wieder ... Ich habe mich wohl übernommen."
"Sie wurden angeschossen und hatten vor wenigen Tagen noch eine Kugel im
Bein", stellte Ivy fest. "Was haben Sie erwartet ...? Soll die ganze
Mühe umsonst gewesen sein? Erst flicke ich Sie zusammen und durch Ihren
Leichtsinn gefährden Sie Ihre Gesundheit."
"Sie haben recht", gab Robin kleinlaut zu. Er war wieder zu Atem
gekommen und sah Ivy eingehend an. Sie war so hübsch, so natürlich und
strahlte trotz ihres abweisenden Verhaltens eine Wärme aus, die ihm gut
tat und die ihn sie mögen ließ. "Sobald es mir besser geht, verlasse ich
die Farm und falle Ihnen und Ihrer Schwester nicht mehr zur Last."
"Das wird sobald nicht geschehen", stellte die Angesprochene fest. Sie
nahm neben ihm Platz und wandte sich ihm zu. "Es wird noch einige Tage
dauern, bis Sie wieder ganz der Alte sind. Sehr weit werden Sie mit dem
Bein in Ihrem Zustand nicht kommen."
"Ich möchte nicht, dass meine Anwesenheit zu Problemen führt. Und ich
sehe auch, dass Sie sich einschränken müssen, um mich zu versorgen."
"Wir kommen schon zurecht", erklärte Ivy und blickte geradeaus in die
Ferne.
Nach einer Weile sagte sie: "Ayla wird nicht zulassen, dass Sie uns so
bald verlassen."
"Ach ja?"
Sie fokussierte ihren Blick auf ihn und lächelte leicht. "Wollen Sie
behaupten, dass Sie ihr Interesse an Ihnen nicht bemerkt haben?"
"Ach so ... Ja ... Sie kam mich einige Male besuchen."
"Ayla ist jung und wild. Sie ist nicht dafür geschaffen, auf einer Farm
zu leben und den lieben langen Tag zu arbeiten, die Tiere zu versorgen
und am nächsten Tag wieder das Gleiche zu tun."
Robin wusste nichts darauf zu erwidern. Dann fiel ihm etwas ein. "Was
ist mit Ihnen? Sind Sie glücklich hier auf Ihrer Farm?"
Ivy antwortete nicht sogleich. "In diesen Zeiten haben es alle schwer.
Der Krieg fordert seinen Tribut. Mein Vater hat die Farm dreißig Jahre
lang bewirtschaftet und von einem Tag auf den anderen kam ihm in den
Sinn, sich der Armee anzuschließen. Wir haben ihn seit etlichen Monaten
nicht mehr zu sehen bekommen ... Vielleicht ist er längst tot."
Robin war peinlich berührt und wunderte sich über die Offenheit, welche
die sonst so zurückhaltende Ivy an den Tag legte. "Sie sollten die
Hoffnung auf seine Rückkehr nicht aufgeben. Viele gute Männer kommen
nach Hause ... leider nicht alle."
"Erwartet Ihre Familie Sie zurück?"
"Sie werden die Hoffnung nicht aufgeben ... Mein Vater ist vor einigen
Jahren gestorben. Ich habe unsere Farm mit meiner Mutter und meiner
Schwester geführt. Bis der Krieg über uns hereingebrochen ist."
"Wartet Ihre Frau auf Ihre sichere Rückkehr?", fragte Ivy mit leiser
Stimme.
"Nein. Sonst gibt es niemanden."
Sie reagierte nicht auf seine Antwort. Robin fühlte sich mit einem Mal
berufen, seinen Arm um Ivy zu legen und sie an sich zu drücken und zu
trösten. Er nahm Abstand von dem Gedanken.
Plötzlich erhob sie sich und baute sich vor ihm auf. "Sie können
bleiben, bis es Ihnen besser geht. Solange können Sie sich hier auf der
Farm nützlich machen, sofern es Ihr Bein zulässt."
"Ja, einverstanden."
"Sie werden für Essen und Trinken arbeiten. Wir können Sie nicht ohne
Gegenleistung tagelang durchfüttern."
"Das werde ich tun, Ivy. Ich werde Sie nicht enttäuschen", versprach
Robin und sah der Frau in dem roten Kleid hinterher, als sie sich ins
Haus zurückzog. Der Dachboden über der Scheune sollte sein Schlafplatz
bleiben. Es stellte sich heraus, dass Ivy ihm weiterhin sein Essen
brachte und Robin schloss daraus, dass er nicht in ihrem Haus als Gast
willkommen war. Er hatte gehofft, dass sie ihn zu Tisch einladen würden,
doch er konnte Ivys Beweggründe nachvollziehen und fand sich mit ihrem
vorsichtigen Haltung ab.
Unter großen Strapazen hatte er sich auf einer alten Krücke, die er
unten in der Scheune entdeckt hatte, über die Farm geschleppt und hatte
einen Eindruck gewonnen, welche Arbeiten auf ihn warteten. Es gab viel
zu tun. Was er davon mit seinem verletzten Bein leisten konnte, blieb
abzuwarten. Robin war fest entschlossen, sich seinen Aufenthalt und
seine Mahlzeiten redlich zu verdienen und den beiden Schwestern unter
die Arme zu greifen. Am nächsten Morgen erwachte er auf seinem Bett und
beschloss, sich früh auf den Weg zu machen und die Gegend zu erkunden.
Ihn reizte es, den See aufzusuchen, an dem ihn die Schwestern gefunden
hatten. Ayla hatte berichtet, dass früher die jungen Männer dort
schwammen und tobten. Auch wenn er mit seinem Bein vorsichtig sein
musste, sehnte sich Robin nach einem erfrischenden Bad. |